Leben

Letztes Wort

„Ich habe das letzte Wort“,
„Gib nicht immer Widerwort!“,
„Wer zuletzt lacht, lacht am besten“.

Das verdammte letzte Wort,
unverständlich, weshalb es so besonders ist.
Dennoch möchte ich es gerne haben.
Meine Aussage zählt, alles was danach kommt,
ist Schall und Rauch. Das letzte, allerletzte Wort.
Meines.

Widerwort, nicht nur aus Kindermund.
Zumindest, aber hier noch sehr ungeschönt ehrlich.
Kommt es, wenn wir groß sind, weniger wie „aus der Pistole geschossen“,
mehr „hinter dem Rücken des anderen, sobald er den Raum verlassen hat, zücken wir das Messer“. Kein Widerwort! Absolut überhaupt keines!

Das letzte Lachen, dieses beste, schönste Lachen.
Freudestrahlend, suchend nach Rache. Ist das
doch ganz klar der Grund für unser Lachen: Derjenige, der uns zuerst zum Narren hielt,
den Lachen wir nun aus. Ein riesen Spaß! Ganz einfach das allerbeste, letzte Lachen.

Wohin dann aber mit dem ersten Wort?
Der erste Schritt in jeder Unterhaltung.
Unwichtig, weil es das erste und nicht das letzte Wort ist?

Was tun, wenn das Widerwort lautet „aber natürlich, ich liebe Dich!“
Die Versicherung an unseren Geliebten, dass sich unsere Gefühle nicht geändert haben.
Sie sich nicht ändern werden. Egal, wie verrückt unser Partner gerade spielt.

Wie gut wäre das erste und letzte Lachen, wenn niemand den anderen auslacht und gelungene Rache kein Grund wäre, sich zu freuen?

Acryl auf Papier, 45×60 cm,©JJBUETTNER

Menschenleid

Sie sterben, die Vögel, nach ihrer letzten Reise in den Süden.
Manche schaffen es nicht. Zu beschwerlich, der Flug.
Der Wind, ihr Geleit. Wohin gehen sie? Kennen sie den Himmel doch bereits.

Sie fallen, die Blätter. Ihre Lebenszeit so kurz, die Blüte
verflog. Sie sterben, die Blätter. Der Baum lässt sie los.
Die Erde, auf die sie fallen, ist, was von ihnen bleiben wird.

Sie wollen nicht loslassen, die Menschen. Wissen sie doch, sie haben keine Wahl.
Es quält der Gedanke an die eigene Endlichkeit, die Gesunden, die Kranken.
Sorgen bereitet der letzte Gang, den Jungen, den Alten, den Reichen und den Armen.

Sie hoffen, auf ein Leben nach dem Tode, beten, dass dies hier nicht alles war.
Aufhören, nein, das wollen sie nicht. Zum Alptraum wird ihr Dasein, sich geißelnd mit der Frage nach dem „Wann?“.

Sie klagen, wenn es Ihre Liebsten trifft, sie schreien und toben. Fast niemals ist es genug Zeit. Wie könnte es auch genug sein, wollen sie doch noch mehr lieben, geliebt werden.
Der Menschen Leid, das Ende des Lebens, unvorstellbar und unbegreiflich.
Während sie ihr Leben nicht mit seiner Endlichkeit füllen sollten, wie können sie anders, als sich zu fürchten. Haben sie doch so viel zu verlieren.
Denn genau das ist ihnen so bewusst.

Wilde Wasser

„Stille Wasser sind tief“, oft verstecken sich unter der ruhigen Oberfläche ungeahnte Fähigkeiten.
„Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“, bevor man etwas Unpassendes sagt, sagt man lieber überhaupt nichts.

Soweit so gut.

Mein Leben lang war ich alles andere als ein stilles Wasser.
Schon immer eher „Rafting“ anstatt „ruhiges Paddeln“. Ich war laut, ich war präsent.
Jedoch nicht so präsent, dass es auf Unsicherheit schließen lassen könnte.
Selbstbewusst.
Arrogant?
Früh kamen meine Erfahrungen, dass zwar die lauten Gewässer oftmals die stillen übertönen, sie einfach übergehen, es jedoch nicht nur Gutes hat, ein wildes Gewässer zu sein.
Davon, wie die Welt dieses Thema sieht, habe ich viel gelernt:

Wann es Zeit ist, einen Gang zurückzuschalten, meine Aktion nicht gefragt ist.

Auch, dass manche stillen Gewässer keine Hilfe benötigen.

Dass sie tatsächlich sehr tief sein können und schön, manche stillen Wasser.

Was ich nicht gelernt habe und nicht lernen will:

Schweigen ist nicht immer Gold. Manchmal ist es einfach gewaltig feige.

Es gibt stille Wasser, die sind außerdem sehr flach, dennoch heimtückisch.

Die Gefahr des Ertrinkens misst sich nicht an der Stille des Wassers, aber viel mehr daran, ob man Dir eine Rettungsweste reicht.

„Selbstbewusstsein ist gleich Arroganz“, ist das Lied, das ich nicht mehr hören kann und wenn sie es spielen, geh ich von Bord, in dem Wissen, dass mir der Sturm oder die Flaute, die da kommen mag, ganz gleich ist.

Teufelspakt

Der Teufelspakt bezeichnet den Handel mit dem Bösen. Gegenstand des Verkaufs: Die Seele des Menschen. Eben jedes unsterbliche „Lüftchen“, das in uns schlummert.
Was ist so eine Seele nun wert?
Während die gängigen Verkaufsplattformen wenig hilfreich bei der Recherche sind, so sind wir uns doch bewusst: Je reiner die Seele, desto höher der zu erzielende Verkaufspreis. Mehr Geld, mehr Anerkennung, mehr Macht. Einfach mehr von allem. Das ist der Deal.
Es drängt sich eine weitere Frage auf, und das wird sicher nicht die letzte gewesen sein:
Wann und wo können wir unser Angebot abgeben?
Hier liegen wir nun, allein in unserem Bett, in völliger Dunkelheit.
Erbärmlich wie wir sind, rufen wir ihn an, den Teufel, das Böse, das am meisten Gefürchtete zwischen Himmel und Hölle. Ob wir nun religiös sind oder nicht, wir wissen, die dunkle Seite ist kein Märchen. So hoffen wir weiter, ein Dämon möge uns erscheinen und unsere Ware beurteilen, sie für gut befinden:
„Nicht schlecht, diese Seele, die Du dahast, den extra Ferrari kannst Du Dir aber abschminken. Dafür reicht es beim besten Willen nicht“, grummelt das Vieh, während ich enttäuscht und ein bisschen trotzig vor mich hinstarre.
„Ja, in Ordnung. Dann gehe ich noch ein bisschen runter. Lass´ den Ferrari weg.
Die fünf Millionen auf meinem Konto, die Villa und die Macht bekomme ich aber?“ frage ich, und fühle mich wie ein scharfsinniger Meister des Feilschens.
„Hm, ein bisschen Provinz-Macht ist schon drin, bis zum globalen Machthaber genügt es(aber) nicht. Nein, nein. Diese Seele ist mehr als in Ordnung, aber eben auch nicht exzellent. Die hättest Du besser pflegen sollen. Weißt Du, was ich meine? Den guten, gebrauchten Wagen wirtschaftet man ja auch nicht innerhalb eines Jahres herunter und verkauft ihn dann zum beinahe gleichen Preis. Ein guter Preis lässt sich nur bei guter Instandhaltung erzielen, und ganz ernsthaft, was ich Dir anbiete, ist ein wirklich fairer Handel.“

Wir lächeln in uns hinein, sieht so ein Pakt mit dem Teufel aus?
Warum zur Hölle und im Himmel kommt dann niemand, wenn man sein Angebot abgeben möchte?
Es sind solche Nächte, die uns nicht schlafen lassen. Solche, die uns die Wahrheit klarsehen lassen: Eine Vereinbarung gibt es nicht.
Den künstlerisch sowie religiös inszenierten Pakt mit dem Teufel oder einem seiner Vertreter. Kein Vertrag, kein Pakt und ganz sicher niemand, der uns dafür belohnt, ihm unsere unsterbliche Seele zu versprechen.
Als wäre dafür ein Versprechen notwendig!

Vielmehr ist es doch so, dass wir jeden Tag handeln. Mit dem Teufel. Mit unserem Leben.
Jeden Tag unseres Lebens, in beinahe jedem Moment, können und müssen wir uns entscheiden. Kommt der Teufel auch nicht als düsteres Fabelwesen mit Hörnern daher, so ist er dennoch da. Böse Energie, die nur darauf wartet, dass wir nach ihr greifen. Jeden Tag.

Wir brauchen kein Buch, keinen Prediger, keinen Lehrer, um zu wissen, was Recht und Unrecht ist. Unsere Seele hingegen, auf die sollten wir gut achten, denn wer weiß, was wir noch vorhaben. An jedem Tag, für den Rest unseres Daseins.

30 Jahre

Es muss an meinem vierten Geburtstag gewesen sein, als Familie und Freunde mit mir um unseren großen Esszimmertisch saßen. Die Torte direkt vor mir. Alle Augen auf mich, das Geburtstagskind, gerichtet. Genau wie Papas Kamera: „Jenny, schau mal hier, hallo“, machte er auf sich aufmerksam. Ich wollte keinen Kuchen. Ich wollte keinen Geburtstag und keine Gäste. Auch auf die Geschenke würde ich verzichten, wenn es nicht anders ging.
Weinend rannte ich in mein Zimmer. Ich wollte diesen blöden Geburtstag nicht. Blöd fand ich ihn, weil mir jemand erzählt hatte, umso mehr Geburtstage ich haben würde, umso eher würden meine Eltern für immer gehen. Sie würden sterben!
Mein kleines Herz konnte diesen Gedanken nicht ertragen. Mein großes Herz kann es noch immer nicht. Der Geburtstag wurde fortgesetzt, nachdem ich überzeugt war: Das hatte nichts mit meinen Geburtstagen zu tun!

Heute weiß ich, dass es Kinder gibt, für die es keinen Geburtstag gibt, an dem sie glauben, um ihre Eltern bangen müssen. Denn sie haben sie längst verloren. Sie wussten nie, wie salzig ein Stück Geburtstagstorte schmeckt, nach Stunden voller Tränen.
Für sie gab es nie eine Torte. Erwachsene, für die jenes Stück Torte, wenn es tatsächlich um die liebsten Menschen geschehen ist, genauso salzig schmeckt.

30 Jahre sind nicht genug. Ich habe das Beste, Euch.
Auch wenn 30 weitere Jahre vergangen sein werden, werde ich mehr wollen. Die Zeit an mich reißen, als wäre sie nur für mich ganz allein bestimmt. Wohl wissend, dass für keinen von uns allein jene Zeit bestimmt ist, aber die eigene Zeit irgendwann für jeden gekommen sein wird.

Ich hatte 30 Jahre.
Ich hatte Liebe.
Ich hatte zuhause.
Ich hatte Mut.
Ich hatte Schwierigkeiten.
Ich hatte Respekt.
Ich hatte Kraft.
Ich hatte Spaß.
Ich hatte Tränen.
Ich hatte Vorbilder.
Ich hatte Diskussionen.
Ich hatte meine Meinung.
Ich habe Euch.

Für meine lieben Eltern: Ich habe noch lange nicht genug.
Perfektion ist eine Illusion. Wäre sie aber real, so wärt Ihr ihr am Nächsten.

Versprich mein nicht!

„Versprich mir, dass wir für immer Freunde bleiben“, sagte Larissa mit einem breiten Grinsen an jenem Tag am See. Ich erinnere mich so gut an jenen Moment, weil er etwas Besonderes war. Der Tag war einer der schönsten in diesem Sommer.
Warum hätte man diesen Tag mit einem Versprechen verändern sollen, dachte ich damals.
Heute weiß ich, warum mir das Versprechen unnötig vorgekommen war.
All die Jahre später sitzen Larissa und ich am Flughafen. Auf zu unserer Weltreise. Eben jener, von denen wir schon träumten, als wir noch kleine Mädchen waren.

„Versprich mir, dass Du niemals aufhören wirst, mich zu lieben“, hörte ich die Freundin meines Bruders flüstern. Sie waren gerade auf dem Weg auszugehen, an diesem lauen Sommerabend. Ich saß auf meiner Fensterbank und hatte das Gespräch zufällig belauscht.
„Nun versprich es schon“, bohrte sie.
„Ich verspreche es“, murrte er zurück.
Die Trümmer jener Beziehung, die mein Bruder geführt hatte, flogen um unser aller Ohren.
Unser Zuhause, ein Schlachtfeld. Die Liebe, die Versprochene, sie war nicht mehr.

Alle Welt sagt: „Sei vorsichtig, was Du versprichst, denn Versprechen muss man halten.“

Ja richtig, man muss sie halten.

Indianerehrenwort.
Außerdem haben Lügen die kürzesten Beine.

Ich sage: „Was wahr ist, muss nicht versprochen werden.“

Abschied

Der Tag rückt näher, die Angst wird übermächtig,
der große Abschied naht, wenn es doch etwas gäbe, ihn zu vermeiden, irgendwas.

Du musst gehen, ich Dich gehen lassen. Sehe mich schon am Gleis stehen,
winkend, der Zug nimmt Fahrt auf, mit einer meiner Lieben darin.

Noch ist es nicht so weit, tröste ich mich, wir haben noch Zeit,
nicht viel, denn die Stunden verfliegen wie in Lichtgeschwindigkeit.

Mein Herz ist schwer, wohin mit meiner Wut und meinem Schmerz,
wer trägt die Verantwortung? Warum bleibst Du nicht einfach?

Der Tag ist gekommen und der Morgen viel zu früh und kalt, ich sehe Dich an,
wie Du schläfst, betrachte Dich und frage mich, wann Du wieder bei mir sein wirst.

Egoistisch bin ich, denke nur an mich, daran, dass Du mein bist, die Welt,
in die Du zurückgehen musst, eine dunkle Stadt, ohne Lichter.

Dein Erwachen reißt mich aus meinen Gedanken,
Dein Lächeln, meine Droge, ohne die ich nicht sein will,
Deine Umarmung, Deine Küsse, alles an Dir holt mich zurück, zurück aus der Dunkelheit.

Tränen laufen über mein Gesicht, ich sehe, dass auch Du gerne weinen würdest,
doch Du küsst mich.
Meine Hände zittern, wollen Dich nicht loslassen, niemals.

„Kein Abschied in Liebe, kann je für immer sein, mein Schatz“, flüsterst Du in mein Ohr und ich sage: „Ja, auch wenn es auf dieser Welt keinen Ort mehr gibt für uns, so gibt es dennoch einen, irgendwo, für unsere Liebe“.

Der Zug nimmt Fahrt auf und ich winke, werde schmerzlich leiden, bis Du wieder bei mir bist, irgendwann. Lächelnd trete ich den Heimweg an, in das Zuhause, das unser ist, wissend, dass es die Liebe ist, die uns Heimat bietet.

Du bist am Zug

Strategisch clever oder frei aus dem Bauch heraus?
Wie sieht Dein nächster Zug aus?
Ist Dein Einsatz vielleicht zu hoch oder doch nicht genug?

Umzingelt von Feinden. Der Ausweg schier unmöglich.
Ein leichtes Spiel. Das Spiel der anderen. Du hattest
gar keine Lust zu spielen.

Der Schweiß steht Dir auf der Stirn. Dein Pokerface
viel mehr ein offenes Buch im Spielplan der Gegner.
Ein Risiko, das nicht zu umgehen ist.
Das größte Risiko bist Du selbst.

Deine Kehle ist trocken, Dein Herz schlägt wild.
Ist das Spiel es überhaupt wert?
Es ist doch immerhin nur ein Spiel. Richtig?

Du setzt an, der Zug könnte Dein letzter sein.
Nachdem er getan ist, blickst Du in die Gesichter
Deiner Feinde, Masken die Dir nichts verraten.

Das Spiel geht weiter. Wie stehst Du da?
Bist Du Spielmacher oder der Versager des Tages?
Sagen sie: „Er konnte noch nie gut verlieren.“,
wenn Dein Leben in Trümmern liegt?

Du schwörst Dir, nie wieder zu spielen.
Dein Leben nicht mehr zu verwetten,
Risiken für immer zu verbannen.

Wer nicht spielt, der nicht gewinnt.
Du hast die Wahl, kannst spielen oder
nicht. Doch wenn Du es tust,
spiele Dein Spiel selbst,
sei der Herr Deiner Züge,
sei der Macher Deines Spiels.
Lass nicht zu, dass Du kein Spieler bist,
sondern nur einer, dem sie übel mitspielen.

Du bist am Zug. Los!

Meine Wahl?

Nur Du, mein Zauber, mein Alles.
Ganz sicher.
„Du bist der, den ich gewählt habe“, sage ich leise.
Meine freie Entscheidung, ganz das, was ich will.
Ganz sicher?

Die Liebe scheint nicht nur unendlich,
sie erstreckt sich jeden Tag neu,
hindurch durch unser düsteres Tal,
das wir, gerade jetzt, unser Leben nennen.

Ich wusste, es wird schwer,
hab´ ihn gesehen, den steinigen Pfad.
Die Monster, sie lauern, bedauern
jeden unserer Erfolge.
Grinsen hämisch, über jeden Rückschlag,
der uns trifft.

Momente des Abschieds, für immer
eingebrannt.
Auf mein Herz tätowiert,
in meine Haut geritzt, mit rostiger Klinge.
Nie war ich glücklicher und
niemals, keine Stunde in meinem
Leben, trauriger als in diesem Moment.

Die Liebe lässt uns keine Wahl.
Sie bricht über uns hinein wie ein Feuer.
Seit jenem Tag brennen wir lichterloh.
Du und ich.
Die Liebe macht die Wahl, die wir
vermeintlich treffen könnten, entbehrlich.
Alsdann schlagen die Flammen hoch.
Es bleibt keine Wahl.

Hoch verschuldet?

Kennt Ihr das Gefühl, dem Schicksal etwas schuldig zu sein?
Eben jenes Gefühl, das uns überkommt, wenn wir besonders glücklich sind.
Einige werden sagen, dass dies mit unserer eigenen Wertvorstellung oder ja, unserem
Selbstwertgefühl zu tun hat. Wer sich selbst liebt, ist in der Lage, Gutes, das ihm widerfährt, willkommen zu heißen, es auszukosten und durch keinen negativen Gedanken trüb werden zu lassen. Angeblich.

Vielmehr ist es doch so, dass wir „alltägliches Glück“ gerne übersehen und nicht bewerten.
Unsere Gesundheit ist uns zumeist dann wertvoll, wenn Störfaktoren auftauchen. All die Tage, Monate und Jahre, an denen wir uns vollkommen gut gefühlt haben, fallen doch erst dann wirklich ins Gewicht, wenn sie scheinbar, wenngleich hoffentlich nur vorübergehend, vorbei sind.

Die Dankbarkeit und somit die Ängste, es könnte nun etwas Schlimmes folgen, steigen an, sobald die Erlebnisse über eben dieses „alltägliche Glück“ hinausgehen.
Eine Beförderung, die mehr Selbstverwirklichung und Reduzierung der finanziellen Ängste herbeiführt. Wir freuen uns ehrlich, sind dankbar. Auch stolz auf unsere eigenen Leistungen.
‚Wann kommt er denn nun, der Schlag ins Gesicht?‘, grübeln wir.

Unaushaltbar, die nackte Angst, es könnte nun etwas Furchtbares geschehen.
Etwas Unaussprechliches. Das Gefühl, der Teilzeitabergläubische in uns, müsste allein beim Aussprechen dieser schrecklichen Situationen, dreimal auf Holz klopfen.
Ja, genau diese Angst überkommt uns, sollten wir zu den Glücklichen gehören, die ganz ohne Zweifel den einen, den ihren, den „für immer“- Menschen für sich gefunden haben.
Jeder einzelne Blick voller Liebe, auch nachdem die anfängliche Verliebtheit bereits hätte verschwinden müssen, sie jedoch nach und nach durch etwas Größeres, Stärkeres, die wahre Liebe, ersetzt wurde. Diese Überdosis Liebe und Gefühle, die kein anderer Mensch uns je empfinden ließ. Solch eine Liebe, die von außen zwar beobachtet, jedoch nicht nachempfunden werden kann. Existiert sie doch nur zwischen Euch beiden.

Was folgt darauf?
Es kann nur etwas Schreckliches sein.
Der Verlust eben dieses Menschen.
Eines anderen Geliebten? Des eigenen Lebens?

Habt Ihr noch etwas „gut“ beim Schicksal? Euer Konto im Plus?
Ich möchte es nicht hoffen. Hoffe auf Balance, auf eine Null im Kontoauszug des Lebens.
Während ich daran denke, an das Beste, das mir je passiert ist, Dich, klopfe ich auf Holz.
Exakt dreimal und hoffe, dass die Zinsen für meine Rückzahlung auf Raten, nicht steigen.