Menschenleid

Sie sterben, die Vögel, nach ihrer letzten Reise in den Süden.
Manche schaffen es nicht. Zu beschwerlich, der Flug.
Der Wind, ihr Geleit. Wohin gehen sie? Kennen sie den Himmel doch bereits.

Sie fallen, die Blätter. Ihre Lebenszeit so kurz, die Blüte
verflog. Sie sterben, die Blätter. Der Baum lässt sie los.
Die Erde, auf die sie fallen, ist, was von ihnen bleiben wird.

Sie wollen nicht loslassen, die Menschen. Wissen sie doch, sie haben keine Wahl.
Es quält der Gedanke an die eigene Endlichkeit, die Gesunden, die Kranken.
Sorgen bereitet der letzte Gang, den Jungen, den Alten, den Reichen und den Armen.

Sie hoffen, auf ein Leben nach dem Tode, beten, dass dies hier nicht alles war.
Aufhören, nein, das wollen sie nicht. Zum Alptraum wird ihr Dasein, sich geißelnd mit der Frage nach dem „Wann?“.

Sie klagen, wenn es Ihre Liebsten trifft, sie schreien und toben. Fast niemals ist es genug Zeit. Wie könnte es auch genug sein, wollen sie doch noch mehr lieben, geliebt werden.
Der Menschen Leid, das Ende des Lebens, unvorstellbar und unbegreiflich.
Während sie ihr Leben nicht mit seiner Endlichkeit füllen sollten, wie können sie anders, als sich zu fürchten. Haben sie doch so viel zu verlieren.
Denn genau das ist ihnen so bewusst.

Kommentar verfassen

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.