Niemands-Land

Ein Fehler im Titel? Nein. Absolut nicht. Während das mehr oder minder bekannte „Nimmerland“ einer Traumwelt entspringt, so zeichnet sich „Niemands-Land“ durch folgende Eigenschaften aus:

Es ist ein Land voller Charaktere, die jeder ein individueller „Niemand“ sind. Eines möchte ich vorweg klarstellen! Die Bezeichnung „Niemand“ ist keinesfalls so negativ, wie sie klingt. Hinter dem „Niemand“ von Nebenan, verbirgt sich hoffentlich ein gütiger, herzensguter Mensch. So hoffe ich zumindest. Von diesem Blickwinkel aus sei jedem „Niemand“ alles Gute dieser Welt gegönnt. Vom Schlechten soll er verschont bleiben. Amen.

Aber!
Eben dieser „Niemand“ hat manchmal eine bestimmte Eigenschaft, die ich nicht schätze – ja ich verabscheue sie sogar: Er mischt sich ein. In meine Angelegenheiten.
Ohne jegliche Signale meinerseits, die bedeuten könnten: „Ich bin an Deiner Meinung interessiert“, drückt er sie mir dennoch mitten ins Gesicht.
Mit einem feuchten, muffigen Waschlappen. Das stinkt mir! Pfui!
Beispiele! Beispiele, braucht der Blog:

Der „Niemand von Nebenan“
„Guten Morgen, Herr Niemand von Nebenan“, sage ich freundlich.
„Guten Morgen, na, hast Du Dein Auto in der Werkstatt? Schon wieder?“ fragt er, als hätte ein ‘Guten Morgen‘“ nicht ausgereicht.
„Ja, richtig! ‘Schon wieder‘ stimmt aber nicht. Das letzte Mal war nur zur Inspektion. Tschüss, schönen Tag“, verabschiede ich mich.
„Ach so, ja okay, also weißt Du, was ich denke? Ich denke, dass …“, geht das Gespräch weiter.
Genau hier. Jetzt in diesem Moment möchte ich schreien:
„STOPP! Mir ist es egal – ganz egal, was Du denkst!“
Tue ich es, schreie ich Herrn Niemand an? Selbstverständlich nicht. Entweder ich stelle freundlich auf „Durchzug“ und lasse das Hörspiel neben mir her plätschern wie ein Bach, oder ich verabschiede mich äußerst freundlich. Erneut. Ich habe nichts gegen Herrn Niemand von Nebenan. Es irritiert mich aber, dass er glaubt, seine Ansichten bezüglich meiner Angelegenheiten, wären für mich nicht belanglos.

Frau Niemand, die eigentlich ganz nett ist, eine Bekannte der Familie
„Frau Niemand war ganz interessiert und fragte mich, zu welchem Steuerberater Du gehst. Sie meinte, es wäre vielleicht besser, wenn Du wechseln würdest“, sagt meine Mutter, als sie scheinbar gedankenverloren Teller abtrocknet.
„Ja? Warum?“ frage ich.
„Ja, na ja, sie sagt, sie war mit diesem Steuerbüro eben nicht zufrieden“, antwortet meine Mutter, so als ob das Begründung genug wäre.
„Ihre Meinung ist mir egal. Ich war all die Jahre sehr zufrieden.“
„Sei doch nicht immer so. Die Menschen wollen nur helfen und du reagierst abweisend!“ tadelt mich meine Mutter.
„Mama, ich diskutiere das nicht schon wieder. Mir egal. Ich kenne Frau Niemand nicht einmal!“
Damit ist die Unterhaltung über Frau Niemand, beziehungsweise ihre Meinung zu meinen Angelegenheiten, beendet. Für meinen Geschmack dauerte sie bereits viel zu lang.

Stellvertretend für alle im Niemands-Land:

Sehr geehrter Herr Niemand,
sehr geehrte Frau Niemand,

ich bitte Sie, mit allem Respekt, sich demnächst um Ihre eigenen Angelegenheiten zu kümmern.
Für diese Regel gibt es zwei Ausnahmen:

Erstens:
Sie sind beauftragt, mich vor einer bevorstehenden Katastrophe in unvorstellbarem Ausmaß zu warnen.

Zweitens:
Ich habe Sie, ganz direkt, um Ihre Meinung gebeten.

Ich verstehe, dass es hier eine Schwierigkeit für Sie gibt, was diese Vorgehensweise betrifft.
Glauben Sie mir, ich weiß: Sie meinen es nur gut.
Das ist absolut fein für mich. Es ist mir dennoch egal, was sie meinen.
Mir ist außerdem bewusst, dass Sie womöglich dem Irrglauben erliegen könnten, Sie seien in meinem Universum kein „Niemand“, sondern ein „Jemand“.
Vertrauen Sie mir auch in diesem Punkt, wenn Sie ein „Jemand“ wären, dann wüssten Sie Bescheid.

Für Ihr Verständnis und Ihre zügige Umsetzung bedanke ich mich vorab.
Ich wünsche Ihnen alles Gute!
Sollten Sie sich jemals in einer Not-Situation befinden, zögern Sie nicht, mich um Hilfe zu bitten. Zwar habe ich für die Idee von „Jede Stimme zählt“ in Bezug auf mein eigenes Leben nicht viel übrig, dennoch bin ich ein hilfsbereiter und sozialer Mitbürger.
Zumindest arbeite ich daran. Täglich.

Freundliche Grüße

Kommentar verfassen

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.