Nichts – Teil 2

Der Schmerz brennt meine Brust hinab, und ich könnte nicht glücklicher sein.
Hier ist es, ein echtes Gefühl, ich brenne!
Ein weiterer Atemzug, der Schmerz unerträglich.
Er steigt hinauf in meinen Kopf, ich kann ihn spüren, er hämmert und vibriert.
Meine Glieder reißen, der Schmerz lässt nicht nach.
Fülle meine Lungen erneut mit Sauerstoff. Immer stärker, die Flammen in meiner Brust.
Das Zucken meiner Arme, ich kann es nicht kontrollieren.
Jegliche Qual, erträglicher als das Nichts in dem ich war.

Gebettet in körperlichem Elend, kommt meine Erinnerung wieder.
Wie ein Donnerschlag. Ein Tag am Meer windig und trüb. Mit Sand unter meinen Füßen führte mich mein Weg am Strand entlang. Wolken zogen düster vorbei, bis sie sich bündelten. Schwärzer wurden. Stärker und härter wurde der Sturm, ich wollte umkehren. Das hätte ich längst tun sollen.
Auf dem Absatz machte ich kehrt. Ich sollte etwas schneller gehen, als ich gekommen war. Die Welt schien unterzugehen.
Ich blickte auf die raue See. Die Wellen tobten, Blitze zischten über sie hinweg.
Das Pfeifen des Sturms in meinen Ohren, war es mir, als hörte ich Schreie.

Ich suchte die Wellen ab, meine Sicht verschwommen, von Regen und Sand, welche mir unnachgiebig ins Gesicht peitschten. Dort sah ich es, direkt vor mir, tatsächlich aber kilometerweit entfernt. Beinahe hätte ich es übersehen. Dort ertrank ein Mensch. Geistesgegenwärtig sah ich mich um: „Hilfe! Wir brauchen Hilfe!“ rief ich aus Leibeskräften. War der Strand zuvor voller Menschen, so war ich nun allein. Nicht eine Menschenseele in Sicht. Ich musste helfen! Streifte meine Jacke und Schuhe ab, während ich in Richtung Meer stolperte.
„Ich komme, ich komme Ihnen zu Hilfe!“ schrie ich.
Im Wasser angekommen, merkte ich, dass die Rettung beschwerlicher werden würde als ich angenommen hatte. Die Wassermassen pressten sich von allen Seiten gegen meine Glieder. All meine Kraft legte ich in Arme und Beine und schwamm.
Endlos erschien mir die Zeit, in der ich mich auf den in Not Geratenen zu bewegte.
Zuviel Wasser schluckte ich, trieb mich an, von Husten geschüttelt.
Als ich mein Ziel erreichte, erkannte ich die junge Frau, die nun nicht mehr schrie.
Sie trieb still in den hohen Wellen.
Kam ich zu spät? Beim Versuch sie zu fassen, bemerkte ich die Schwere ihres Körpers. Wie sollte ich sie und mich zurück ans Ufer bringen?
Ich schlang beide Arme um ihre Schultern, schwamm rückwärts.
Von der nächsten unaufhaltsamen Welle erfasst, fühlte ich das Wasser, das meine Lungen füllte. Ich hielt sie fest, drückte sie an mich.
Unter Wasser öffnete ich meine Augen. Die Aussichten in jeglicher Hinsicht pechschwarz. Meine Erinnerung, hier schwimmt sie davon. Von hier an war nichts.
War ich nicht mehr?

Der Schmerz des Atmens – vermutlich nur ein Hirngespinst – gab ich ihm dennoch eine weitere Chance. Ich konzentrierte mich nun auf nichts Anderes, ließ die Erinnerung ziehen. Weit fort. Er kam zurück, der brennende Schmerz. Strömte nun auch aus meinen Augen wie salziges Wasser. Doch als es schien, als wäre jede weitere Minute in Qual mein sicheres Ende, atmete ich weiter.
Immer weiter.

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