Die Uhr

„Sieh Dich nicht um“, sagst Du zu mir, ziehst mich an Dich heran.
„Wo sollte ich hinsehen, außer zu Dir?“ frage ich.
Ich spreche es nicht aus, Du weißt, was ich denke.

Die Zeit rast, in der nur Du und ich sind. Niemand sonst.
Der Zeiger der Uhr ist neben Deinen Augen, das einzige,
was meinen Blick auf sich zieht.
Unnachgiebig rückt er vor, ohne Geräusch.

Ich lege meinen Kopf auf Deine Schulter,
sauge all´ Deine Wärme ein.
Kämpfe gegen den Drang, erneut auf den Zeiger zu sehen.
So unnachgiebig wie er vorrückt, so intensiv das Stechen
in meiner Brust.

Mir schnürt es die Kehle zu, immer enger.
Verwundert, dass ich noch aufrecht sitze,
weiß ich, Du bist es, der mich stützt.
Schuldgefühl steigt in mir auf; sollte nicht ich es sein,
die Dich stützt?

Unsere Zeit läuft, viel zu schnell läuft sie ab.
Entgegen dem Moment, in dem sie kommen werden,
uns ein paar letzte Minuten geben, Minuten.
Meine Hände zittern, ich weiß nicht weiter.

Ich will schreien, dennoch bleibe ich stumm.
„Ich liebe Dich“, ist alles was ich zu sagen habe.
Ich will weinen, will Dir jedoch keine Sorge bereiten.
„Ich liebe Dich“, Tränen laufen über mein Gesicht.
Ich kann sie nicht aufhalten.

Du hältst mich ganz fest, so dass ich stehen kann.
Ohne Dich kann ich nicht stehen.
Ich muss.
Solange, bis unsere Zeit stillsteht.
Ich kann.
Bis diese Uhr nicht mehr lautlos tickt.
Ich will.
Ich will unsere Unendlichkeit.

Bis die verdammte Uhr für immer schweigt.

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