Komm darüber hinweg!

Hast auch Du Dich schon einmal gefragt, wie es wohl wäre, in einer Welt, in der niemand sagen würde: „Komm darüber hinweg!“? So als wäre es das Wichtigste und das am meisten wegweisende, was dir jene Person mit auf den Weg geben könnte. Als würde es etwas ändern. Ich habe mir diese Frage schon oft gestellt, auch wenn mir jener Satz nicht häufig gesagt wurde. Zumindest nicht ins Gesicht.

Der Grund weshalb ich darüber nachdachte, ist, dass ich mich mehrmals dabei ertappte, ihn aussprechen zu wollen. Vielleicht tat ich es auch, wenige Male. Dabei erlaube ich mir zu sagen, es geschah nicht, um meine Mitmenschen zu verletzen. Nein, eher um mich selbst zu schützen. Zu schützen vor der Überhäufung mit Problemen anderer, Menschen, die mir nahestehen und mir viel bedeuten. Für die ich Brücken bauen würde, könnten sie anders nicht mehr zu mir gelangen. Die ich schätze, die ich von Herzen liebe.

In diesen Momenten wünschte ich, ich hätte sagen können:
„Ich verlange nicht, dass du einfach so darüber hinwegkommst. So als wäre es ein kleiner Sprung, nichts weiter. Was ich Dir wünsche ist, dass du einen Weg findest. Den richtigen Weg für Dich. Ich möchte Dir helfen, weil ich Dich liebe. Die Belastung durch Deine Probleme trage ich, weil ich Dich liebe. Grenzen, die ich ziehe, wenn ich nicht mehr geben kann, sind nicht die Grenzen meiner Liebe, sondern mein Schutzschild. Lasse ich diesen fallen, so hieße das für mich, ich falle. Mein eigenes Leben steht hinten an, wenn Du erwartest, dass Deines wichtiger ist. Ich kann Dich nicht mehr lieben als mich selbst. Ich kann nicht mehr geben als ich habe und ich hoffe, Du verstehst.

… und ich wünsche mir, dass Du mir glaubst, ich weiß, es ist nicht leicht.
Ich weiß, etwas treibt Dich um.
Ich weiß, es ist vermutlich nicht das Ende der Welt, aber darf ich das wahrhaftig beurteilen?
Ich weiß, Du hast keine Lösung, greifst nach jedem Strohhalm.
Ich weiß, Du wünschst Dir, ich könnte sie Dir präsentieren. Ich hätte sie, gleich hier, sicher verwahrt.
Hätte ich die Lösung, so wäre sie Dein. Der Weg aber ist es, der mir schwerfällt.
Die Enttäuschung in Deinem Blick, weil Du Dir mehr erhofft hast, von mir.“

Das werde ich sagen. Heute und in Zukunft.
Verbannen wir „Komm darüber hinweg!“.
Für immer.


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