Ist zu viel Hoffnung ein ernsthaftes Handicap?

Kennt Ihr das, wenn Leute sagen: „Mache Dir lieber nicht zu große Hoffnungen!“?
Ist dieser Ratschlag wohl nur gut gemeint, beinahe beschützend, so ist er doch mitunter das Blödeste, das mir jemals gesagt wurde. Warum? Ich frage: „Warum sollte das ein guter Rat sein?“

Vermeintlich macht es das einfacher, sollte am Ende doch eine Enttäuschung auf Dich warten. Tut es aber nicht! Ob die Hoffnung vorher groß war oder ob du pessimistisch warst, eigentlich nur das Unheil erwartet hast oder nicht. Ja, das ist schmerzhaft, niederschmetternd. Dennoch war es sicherlich nicht die Hoffnung, die Dich am Ende enttäuscht zurückließ: Es war die Enttäuschung!

In Zeiten, in denen nur die Hoffnung ausmacht, ob du morgens aufstehst, Dich im Spiegel ansehen kannst. Wenn die Hoffnung das Einzige ist, das bleibt, wo genau passt in solchen Situationen dieser Ratschlag hinein?

Ich selbst habe diesen Schwachsinn mehr als hundertmal gehört. Ich bin nicht so verblendet, die gute Absicht dahinter zu verkennen. Dennoch ist diese Aussage etwas, das mich wirklich rasend macht. Ich würde gerne wütend werden, schreien, toben und ganz sicher meinen Kopf mehrmals gegen die Wand schlagen. Tue ich aber nicht, ich sitze da und sage: „Ja, ich weiß“, obwohl ich es eigentlich überhaupt nicht weiß. Ich weiß es besser! Warum also sollte es anderen nicht genauso ergehen? Denjenigen, die Hoffnung haben?

Ich lese viel mehr hinein in diesen auserwählten „Ratschlag“:
Euch ist nicht bewusst, wie essentiell diese Hoffnung, die, Eurer Meinung nach, nicht zu groß sein sollte, ist. Wie überlebensnotwendig. Warum würdet Ihr sie sonst beschneiden wollen? Wer tut so etwas? Auch lässt es mich daran zweifeln, ob Euch klar ist, dass dies keine Frage von Hoffnung „haben“ oder „nicht haben“ ist. Wie sollte man seine Hoffnung auf etwas so Bedeutendes reduzieren? Gibt es ein Mittel gegen Hoffnung, von dem ich noch nicht gehört habe?

Ganz sicher, handelt es sich hier nicht mehr und nicht weniger um eine der gut gemeinten Phrasen, die die Welt nicht braucht. Dennoch verbergen sich in ihr sicher gute Intentionen. „Gut gemeint“ ist eben nicht „gut“, sondern ein halbherziger Versuch. Weiter nichts.
Möglicherweise ist es auch diese Art von Rat, der gegeben wird, um das Gegenüber wissen zu lassen, dass man an seinem Vorhaben zweifelt – auch wenn das für mich überhaupt nicht von Interesse ist, wer da zweifelt und warum. Könnte es mir doch nicht gleichgültiger sein.

Ich spreche mich hier nicht dafür aus, realitätsfern und im Wahn, an jegliche Entscheidung, Aufgabe oder auch Lebensaufgabe, heran zu gehen.
Zu meinem Bedauern werde ich wohl niemals auf einem Einhorn ins Wunderland reiten. Ganz bestimmt erreicht mich ebenso wenig der Scheck eines unbekannten Gönners, der mich zum Milliardär macht. Schade eigentlich, oder?
Dass der Weg lang und schwer ist, uns die Angst manchmal gnadenlos durchschüttelt und dieses eine, unser Wunder, nicht über Nacht geschehen wird. Ja, das haben wir doch wahrhaftig selbst begriffen.

Das Gut „Hoffnung“ kann niemals zu groß sein. Nicht umsonst stirbt sie zu allerletzt.
Hört also endlich auf, sie klein halten zu wollen! Jetzt sofort!
Für all diejenigen, die nicht umhinkommen, um diesen Ratschlag, habe ich auch einen:
„Bitte, mache Du Dir doch `mal Hoffnung. Soll ich Dir gar dabei helfen, dieses Handicap, der abgeschriebenen Hoffnung, loszuwerden?“

 

Bild
Fotograf: Singa
http://piqs.de/fotos/63831.html

Quelle: http://piqs.de

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